Demos selbst gemacht - 5 Schritte zu einem gut klingenden Demo

Jeder Veranstalter möchte erstmal ein Demo hören, bevor er eine Band bucht. Viele Bands scheitern daran, weil Studioaufnahmen teuer sind. Das muss nicht sein.  Mit wenig Mitteln lassen sich auch im Übungsraum vorzeigbare Demos produzieren. Du brauchst dazu einen Satz Mikrofone, einen Computer und ein Harddisk-Recordingprogramm wie Ableton Live, Logic Audio oder Cubase, und ein Audiointerface. Fehlt Dir davon etwas, hast Du als MusikerIn garantiert in Deinem Freundeskreis jemanden, der dies hat. Macht einen Deal für ein Wochenende, dass er oder sie eurer Band aushilft - das muss ja nicht immer Bargeld sein. Lasst euch etwas einfallen. Im Folgenden findest Du eine Anleitung in 5 Schritten, wie Du zu einem Demo kommst, dass Du abgeben kannst. Vieles, was die Tontechnik betrifft, ist nur kurz erklärt, da es hier ja in erster Linie um die Praxis bzw. das Ergebnis geht.

1. Schritt: VORBEREITUNGEN

Suche für Dich und Deine Band einen geeigneten Raum oder präpariert euren Übungsraum so, dass er nicht zu viel hallt. Das heißt, Teppich auf den Boden, an die Wände oder beklebt die Wände mit Eierkartons, Mollton-Vorhang, schallschluckenden Schaumstoff oder Schalldämmplatten. Besorgt euch geeignete Mikrofone. Entweder leihst Du Dir einen Satz Mikros aus oder fragst im  Freundes- und Bekanntenkreis, wer Dir etwas leihen kann. Wenn das alles nicht klappt, geht es natürlich auch mit gewöhnlichen Shure SM 58. Prinzipiell gilt, je besser die Originalaufnahmequalität, desto besser und einfacher kommst Du zum Ziel und erhälst ein gutes Klangergebnis.

Die richtige Mikrofonwahl
Es gibt zwei verschiedene Mikrofontypen:
1.    elektrostatische Mikrofone: das sind Kondensatormikrofone. Sie werden vor allem für Studioaufnahmen eingesetzt, weil sie das gesamte Frequenzspektrum natürlich und transparent wiedergeben. So eines solltest Du unbedingt für Gesangsaufnahmen verwenden. Allerdings muss Dein Mischpult Phantomspeisung zur Verfügung stellen, sonnst kannst Du ein Kondensatormikro nicht verwenden. Beliebte Kondensatormikors sind beispielswiese Neumann KMS 105 (BK) oder Shure Beta 87A. Im professionelle Studiobereich findet man gerne das Neumann U87 oder U89.
2.    elektrodynamisch Mikrofone auch dynamische Mikrofone genannt. Sie werden gerne auf der Bühne verwendet, da sie wesentlich unempfindlicher und robuster sind, als die elektrostatischen Mikros. Dafür ist der Übertragungsbereich eingeschränkter, was sich insbesondere bei hohen Frequenzen bemerkbar macht. Aber es gibt mittlerweile viele dynamische Mikrofone, die eine sehr gute Frequenzwiedergabe für Gesang haben, wie beispielsweise das M88 von Beyerdynamik. Letztendlich muss das Mikrofon zur Stimme passen, die aufgenommen werden soll und das musst Du ausprobieren.

Es gibt ein paar “Standard-Mikrofone”, die immer wieder gerne für Bandaufnahmen verwendet werden. Dazu gehören das AKG D12 / D112 für Bassdrum, das Shure SM 57 für Snare, das Sennheiser MD 421 für Toms und für Overheads die AKG C451.

Je besser die Aufnahmen vorbereitet sind, desto erfolgreicher werden sie. Das gilt auch für die Band. Die Songs, die aufgenommen werden sollen, müssen sitzen.

2. Schritt: RICHTIG MIKROFONIEREN

Alle Mikrofone haben eine Richtcharakteristik. Sie ist verantwortlich für den Klang des Mikrofons und beschreibt, wo das Mikrofon am schallempfindlichsten ist. Oft hat ein Mikrofon eine feste Richtcharakteristik, aber bei manchen lässt sich diese auf einstellen. Du solltest sie für Deine Aufnahmen auf Niere oder Hyperniere stellen. Hier wird Schall von vorne lauter aufgenommen, als Schall von der Seite und von hinten.

Wohin mit dem Mikrofon?
Entscheidend sind nicht nur die Mikrofone selbst, sondern auch die Aufstellung der Mikros. Am meisten Aufmerksamkeit benötigt das Schlagzeug. Nimm hierfür immer sowenig Mikros, wie nötig, anstatt alles voll zu hängen. Sonst hast Du hinterher mit Phasenverschiebungen und Auslöschungen zu kämpfen. Weniger ist mehr. Mikrofoniere auf alle Fälle Snare, Hihat, Bassdrum und 2 Overheads, oder Toms und Standtom/ Crash. Es hängt natürlich auch von der Spielweise des Drummers ab, wie viele Mikrofone Du einsetzt. Was nicht gespielt wird, muss auch nicht großartig mikrofoniert werden.

Drums
Snare und Toms werden einige Zentimeter über dem Rand mikrofoniert. Beim Hihat zeigt das Mikro von innen nach außen auf den Rand der Hihat. Bei der Bassdrum ist das Mikro ca. 10 - 15 cm vom Schlagzeugfell entfernt, etwas unterhalb des Schlegels aufzustellen. Overheads werden links und rechts vom Schlagzeug aufgestellt, so dass sie beide Hälften gut abdecken. Stehen sie zu eng, ist der Klang zu mitten betont. Stehen sie zu weit auseinander oder zu dicht über den Becken, können Phasingeffekt auftreten.

Saiteninstrumente
Bass und Gitarre kannst Du einmal Inline, d.h. direkt ins Pult stöpseln und aufnehmen, und zusätzlich noch einmal ein Mikro vor den Verstärker stellen. Immer dorthin ausrichten, woher der eigentliche Schallpegel herkommt. Damit hast Du zum einen den Verstärkersound, der meist ein schönes Volumen hat und bassbetont ist und zum anderen das Inline-Signal, dass die Höhen und Anschlagsgeräusche abbildet. Für mehrere Gitarren empfiehlt es sich, je nach gewünschtem Sound, entweder Inline, oder aber den Verstärker aufzunehmen.

Das Keyboard wird natürlich direkt ins Mischpult gesteckt und von dort aus aufgenommen.

Vocals
Am Gesangmikrofon sollte ein Plopp-Schutz angebracht sein. Achte darauf, dass das Mikrofon so aufgestellt ist, dass es direkt auf den Mund des Sängers bzw. Sängerin zeigt und nicht auf Kinn oder Nase. Das Gesangsmikro sollte immer auf dem Ständer stehen und bei den Aufnahmen nicht angefasst werden. Auch sollte der Sänger bzw. Sängerin während der Aufnahme nicht mal von rechts oder von links einsingen, dabei tanzen oder ähnliches. Durch die sich dann andauernd variierenden  Abstände zum Mikro bekommst Du eine Gesangsaufnahme, die sich klanglich ständig ändert und mal dünner, mal tiefenlastiger klingt.

EQ oder nicht?
Es empfiehlt sich, den EQ erst nach der Aufnahme einzustellen. So hast Du erstmal alle Frequenzen aufgezeichnet und kannst dann später im Gesamtklang entscheiden, welche Frequenzen Du modifizieren willst. Allerdings kannst Du beim Gesang schon den Hochpassfilter zu schalten, sofern dies am Mischpult geht. Damit verhinderst Du Trittschall und andere störenden Tieffrequenzen, die in der Stimme sowieso nicht zu finden sind.

3. Schritt: AUFNEHMEN

Grundsätzlich arbeite mit so wenig Lautstärke wie nötig, damit die Ohren nicht so schnell ermüden. Das gilt auch für alle Instrumentalisten. Zwischen den Aufnahmen nicht rumspielen, ausprobieren oder üben. Das sollte unbedingt vorher stattgefunden haben!

Der oder diejenige, die am Einspielen ist, muss sich sehr konzentrieren. Daher schaffe eine gute Arbeitsatmosphäre, lass sie nicht zu lange warten zwischen den einzelnen Takes und sag immer an, was Du gerade machst oder vorhast.

Die Reihenfolge beim Aufnehmen
Es empfiehlt sich, denn Song mit der Band nicht gleichzeitig einzuspielen, sondern nacheinander. Denn wenn Du alle Instrument und Gesang zusammen aufnimmst, hast Du natürlich auch alle anderen Instrumente und Stimmen auf jedem Mikrofon. Möchtest Du nachher im Gesamtmix die Snare etwas lauter machen, wird alles andere, was noch über dieses Mikrofon aufgenommen wird, natürlich auch lauter. Gleichzeitiges Einspielen in einem Raum führt daher zu keiner vorzeigbaren Demoaufnahme.

Normalerweise wird mit den Schlagzeugaufnahmen begonnen. Steht diese, folgt der Bass. Hört sich die Rhythmussektion gut an, werden Gitarre, Keyboard und alle anderen Instrumente aufgenommen. Zuletzt folgt der Gesang.

Nach jeder Aufnahme gleiche die Lautstärken im Monitormix grob an, dass es natürlich klingt und nicht ein Instrument zu laut bzw. gar nicht mehr zu hören ist. Das irritiert sonst beim Einspielen. Stelle den Kopfhörermix immer so ein, dass sich der Musiker damit wohl fühlt.

4. Schritt: MIXDOWN

Sind alle Spuren in der bestmöglichen Klangqualität aufgenommen, geht es ans Mixen. Denke immer daran, dass Du nur mit dem Klangmaterial arbeiten kannst, was Du aufgenommen hast. Was an Frequenzen fehlt, kann nicht mehr dazugezaubert werden. Aber mit einfachen Mitteln lassen sich schon kleine Klangwunder erreichen.

Der Roughmix
Als erstes werden die Lautstärkeverhältnisse der einzelnen Spuren zueinander eingestellt. Das muss im Laufe des Mixens immer mal wieder nach korrigiert werden. Dann mixe erst die Rhythmussektion, danach die Instrumente und zum Schluss die Vocals. Aber höre die beim Mixen immer wieder alles zusammen an.

Hilfsmittel für einen besseren Sound
Bearbeite die aufgenommenen Spuren vor allem mit Kompresser, EQ und Reverb. Mit dem Kompressor lässt sich die natürlich Dynamik reduzieren und die subjektiv empfundene Lautstärke erhöhen. Mit dem Equalizer filterst Du Störfrequenzen raus, beispielsweise Resonanzschwingungen des Schlagzeugs, alles, was irgendwie unangenehm klingt im Zusammenklang. Außerdem schaffst Du mit dem EQ auch Platz, in dem Du beispielsweise bestimmte Frequenzbereiche bei einer Gitarre stehen lässt, die Du bei der anderen rausfilterst. So überlagern sich die Instrumente nicht, und jedes ist gut heraus zuhören.

Räume abbilden
Damit sich der Song anhört, wie von einer Band gespielt, musst Du nachträglich eine Raumwirkung schaffen, so dass man beim Hören das Gefühl hat, man steht vor einer Band oder Bühne, und dort steht ihr auch nicht alle zusammen auf einer Stelle, sondern rechts und links über die ganze Bühne verteilt. Mit dem Reverb schaffst Du einen künstlichen Klangraum. Oft reicht es, ein oder zwei Halleffekte auszuwählen und die Instrumente darauf zu verteilen. Nimmst Du zu viele und unterschiedliche Hallräume, wirkt es nachher so, als ob die Band im ganzen Haus verteilt irgendwo spielt, aber nicht zusammen auf der Bühne. Wichtig noch, die Panoramaverteilung. Nicht alle stehen beim Spielen in der Mitte der Bühne. Schau Dir an, wie ihr normalerweise verteilt seid und stelle dementsprechend den Panoramaregler mehr nach rechts oder links. Bei Gesang und Bassdrum empfiehlt es sich, dieser in der Mitte zu lassen. Aber auch Snare und Hihat können ein wenig verteilt werden!

Mix-Tipps
Im Folgenden noch ein paar Anregungen für Effekteinstellungen. Während Kompresser und EQ für jede Spur extra eingestellt werden, kannst Du Hall über einen Send-Return-Kanal für alle Spuren gemeinsam nutzen.

Kompressor-Einstellungen:
a)    Ratio: 1:1 bedeutet, keine Kompression. Die Ratio gibt an, in welchem Verhältnis die Dynamik beeinflusst wird. Richtwerte:
b)    Vocals 2:1; Git./ Bass:4:1, 8:1; Drums 4:1, 8:1; Summe: 2:1
c)    Der Threshold gibt an, ab welchem Signallevel der Kompressor in Aktion tritt: 0dB = Kompressor ist deaktiviert. Bei der Einstellung der Ratio ist eine Gain-Reduction Anzeige hilfreich, die anzeigt, ab wann und wieviel der Kompressor das Signal beeinflusst.
d)    Die Attack- und die Releasezeit beziehen auf den Verlauf der Kompressionswirkung. Attack und Release stellst Du nach dem Klangverhalten des Instruments eins.
e)    5-30 ms gut für Betonung perkussiver Sounds: Kick der Bass Drum, Anzupfen des Bass,
f)    0-2 ms für Summenkompression,
g)    Knacken: Attackzeit zu kurz,
h)    Release: zu niedrig: flattern,
i)    Pumpen: Attack und Releasezeit zu kurz
j)    Gain Reduction gibt an, um wie viel das Eingangssignal gedämpft wurde.

EQ:
Drums
Bassdrum:
Für die Bassdrum empfielt sich oft Low Cut bei 80 Hz, um die 80 Hz Bässe anheben, bei 200-400 Hz absenken, falls sie mächtiger klingen soll.
Oder aber Low cut bei 60-70 Hz, anheben bei 80-125 Hz.
Oder noch eine Variante: +3 dB bei 50 Hz,  +1 dB bei 3 kHz  und -3 dB 275 Hz.

Snare: -2 db  um die Centerfrequenz 4 kHz, etwas Reverb dazu mischen. Aufpassen, dass der Sound weit weg vom Vocalsound ist! Am Ende des Mixdowns erneut überprüfen.

Bass: Immer im Zentrum (Panorama) belassen.
Bassdrum und Bass mit verschieden EQ bearbeiten, dass sich die Sounds nicht überlagern.

Becken: Panorama: ca. 14.00 Uhr, aufpassen, dass sie sich nicht mit den Vocals mischen.

Guitars
Rhythm guitar:  Panorama: nicht im Zentrum. EQ: low cut filter, um Bassounds zu unterdrücken.
Wenn der Gesamtsound undurchsichtig ist: bei Instrumenten (außer Bass) die Frequenzen um 250 -300 Hz rausfiltern oder ab dort cutten.

Vocals
Lead Vocal: Low cut filter um 100-200 Hz.  Eventuell vorsichtig Höhen um 15 kHz dazugeben. Vocals im Zentrum lassen (Panorama). Reverb dazu mixen.

Reverb/ Hall:
Natürlicher Hall besteht aus:
1. Direktschall: Richtungslokalisation
2. Early Reflections:
Erste wahrnehmbare Reflexion: bestimmt Größe und Geometrie eines Raums
Early Reflections + Direktschall: bestimmt Entfernung des Hörers zur Schallquelle        Early Reflections + Nachhall: bestimmt die empfundene Raumgröße
3. Nachhall: diffuser Hall, in dem keine einzelnen Reflexionen mehr wahrnehmbar sind

Reverb-Mixtipps:

Je weiter ein Instrument oder eine Stimme im Mix vorne steht, umso weniger Hall bekommen sie.
Je schneller ein Song ist, desto kleiner sollte der Raum sein.

Drums: Um Volumen und Durchsetzungskraft zu erzielen, arbeitet man am besten mit ausgeprägten Early-Reflections, die in Hallprogrammen mit kurzer Hallzeit und hoher Dichte zu finden sind. Oft eignen sich Plate-Programme besonders gut, die eine Hallplatte simulieren.
Vocals: Hallalgorithmen für einen natürlichen Raumeindruck (Room, Hall, Chamber) haben für durchsetzungsfähigen Pop-Gesang eine zu starke Höhendämpfung. Der richtige Glanz ergibt sich erst, wenn neben dem Gesang selbst auch der Hall höhere Frequenzen enthält.
Bass, Gitarre: Hall nur sparsam verwenden, verzerrte Gitarren ohne Hall.

Gesamtklang beurteilen

Verzichte auf unnötige Effektspielereien, sondern konzentriere Dich erstmal auf Kompressor, EQ und Reverb. Vertraue Deine Ohren und nicht irgendwelchen gut gemeinten Ratschlägen oder so genannten Standards, wie etwas zu sein hat bzw. eingestellt wird. Wenn Du zufrieden bist, rechne den Mix auf 2-Spur runter. Selbstverständlich für CD auf 16 bit, 44,1 kHz und im Dateiformat wav oder aiff.

5. Schritt: DIE VERPACKUNG

Ist die CD gebrannt, sollte sie auch ansprechend überreicht werden. Ein gedrucktes Label mit Bandname, Ansprechpartner, Telefon, Email und Website, sofern vorhanden, sollte unbedingt auf der CD stehen und ein Bandinfo mit Bild sollte ebenfalls nicht fehlen.
Viel Erfolg!

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Autor: admin
Datum: Wednesday, 12. November 2008 16:17
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